- Anzeige -

»Absolute Gutachtengläubigkeit"

Symbolbild Klinik Radolfzell
Smbolbild Klinik Radolfzell

Leserbrief zur geplanten Umstrukturierung des Klinikverbunds

Radolfzell/Stuttgart. Zur angestoßenden Neustrukturierung des Klinikverbunds im Landkreis wegen der aufgelaufenen hohen Verluste wird uns gerschrieben:
»Die politischen Reaktionen gehen also schon quasi von einer Unabänderlichkeit des Gutachten-Ergebnisses aus: der 2-Standort-Krankenhaus-Lösung im Landkreis Konstanz. Also ein Neubau in Singen und der Erhalt des Klinikums Konstanz inklusive Sanierung bzw. Erweiterung. Wäre dies aber tatsächlich die beste und insbesondere die wirtschaftlichste Lösung?

Interessant ist in diesem Zusammenhang die offizielle Mitteilung des Landratsamtes Konstanz in derselben Wochenblattausgabe. Hier werden als Ursachen für die hohen Defizite Doppelstrukturen, die bauliche Infrastruktur und die Abrechnungsmodalitäten genannt. Dies heißt im Umkehrschluss. Der bauliche Teil ist nur ein Faktor, aber nicht der alles entscheidende, wie nun der Bevölkerung offensichtlich weisgemacht werden soll.
Immerhin würde dies einen Investitionsaufwand von mindestens 270 Millionen Euro ausmachen, der sich erst mal wieder amortisieren müsste. Und die Doppelstrukturen wären mit Singen und Konstanz immer noch grundsätzlich gegeben. Und dies ist genau ein Faktor, der laut eigener Mitteilung des Landratsamtes zum Defizit führt. Und das Problem der Abrechnungsmodalitäten wird damit natürlich auch nicht beseitigt.
Aber auch das bauliche Argument erscheint nicht überzeugend. Wenn man schon die Zentralklinikumslösung nicht will, warum soll eigentlich das Singener Krankenhaus nicht sanierungs- bzw. erweiterungsfähig sein? Platz wäre wohl genug vorhanden, um ein neues Bettenhaus zu erstellen. Das Argument, alles müsse in einem Gebäude sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können, geht fehl. Ich kann als Gegenbeispiel das Stuttgarter Marienhospital anführen, ein Krankenhaus der Maximalversorgung, das auch über mehrere Gebäudekomplexe (aus verschiedenen Epochen) verfügt, gleichwohl aber alles andere als unwirtschaftlich ist.
Man fragt sich daher auch, warum nur durch einen Neubau das Leistungsspektrum verbessert werden könnte. Wenn es um den damit verbundenen Raumbedarf ginge, wäre auch ein Ergänzungsbau ausreichend. Ich habe mich im Übrigen schon selbst im Singener Krankenhaus behandeln lassen und hatte nicht den Eindruck, in einem rückständigen Hause zu sein.

Zur Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme gehört zudem der fundierte Vergleich: Was würde eine Sanierung oder Erweiterung des Singener Krankenhauses kosten, im Vergleich zu einem Neubau? Und selbst wenn der Neubau gewisse Vorteile hätte, würde er die zu erwartenden, viel höheren Kosten mit Blick auf die Amortisation rechtfertigen? Ganz zu schweigen von der einmalig schönen Lage des Singener Krankenhauses, die sicher auch dem Patientenwohl dient.
Im Übrigen: Warum veröffentlicht man nicht einfach mal das Gutachten? Eine ›geeignetere Form‹ bzw. Fassung könnte man dann immer noch nachschieben. Aber es wäre dann wenigstens klar, dass es den politisch Verantwortlichen mit der Transparenz tatsächlich ernst ist.

Dr. Klaus Bayer, Stuttgart

Leserbriefe geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


- Anzeigen -