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Keine Punkte - aber drei Verletzte in Krefeld

| Andreas Joas | Sport | Handball
HSG Enttäuschung

HSG Konstanz verliert in überhartem Spiel mit 33:32

Konstanz/ Krefeld. Die HSG Konstanz verlor in einer von Krefeld teilweise überhart geführten Partie nicht nur zwei Punkte (32:33), sondern auch noch drei Spieler. Schon in der dritten Spielminute schied Kapitän Tim Bornhauser nach einem Griff in das Auge aus und musste in das Krankenhaus gebracht werden. Später erwischte es noch Lars Michelberger mit einem blutenden Cut und einer wahrscheinlich gebrochenen Nase. Jonas Hadlich zog sich nach einem Kopftreffer eine Gehirnerschütterung zu.

Die Sorge um die drei Verletzten, insbesondere Kapitän Tim Bornhauser, wog so nach Spielende viel schwerer als eine knapp verloren gegangene spektakuläre Partie. „Kapitän Tim Bornhauser ist der Kopf dieser jungen Mannschaft und trifft auch in Stresssituationen durchweg die richtigen Entscheidungen“, hatte Krefelds Trainer Maik Pallach im Vorfeld gesagt. Nach drei Minuten war das vorbei. Matija Mircic kam von der Seite angerauscht und traf Bornhauser mit der Hand voll im Auge. Der Schweizer musste in das Krankenhaus gebracht werden. Nach 34 Minuten war die Partie für Mircic schließlich beendet, nachdem er U23-Spielmacher Jonas Hadlich, nach den Ausfällen von Bornhauser, Joel Mauch und Jannes Timm in dieser Woche letzter verbliebener Spielgestalter, hart am Kopf getroffen wurde und zu Boden ging. Wie sich später herausstellte, trug das HSG-Eigengewächs eine Gehirnerschütterung davon. „Wir sind schwer geschockt vom frühen Ausfall unseres Kapitäns“, erklärte Jörg Lützelberger. „Wir haben uns dann aber erholt und sind sogar mit einem Ausgleich zurückgekommen.“

Fehlende Stabilität in der Deckung

Die schwer unter Druck stehenden Gastgeber setzten bei ihrer letzten Chance von Beginn an auf eine sehr harte Verteidigung, die die beiden Unparteiischen nicht unterbanden und die Gesundheit der Spieler schützten. Als die Konstanzer HSG nach dem Ausschneiden von Bornhauer unter Schock stand, konnte die Mannschaft vom Niederrhein mit 10:6-Führung in Führung gehen, ehe sich die Gäste vom Bodensee langsam wieder gefunden hatten. Gerade der kurzfristig ins kalte Wasser geworfene Hadlich spielte trotz der großen alleinigen Belastung über 50 Minuten und des harten Kopftreffers sehr ordentlich. Ein 3:0-Lauf brachte die Gelb-Blauen durch das Tor von Lars Michelberger, der später auch nicht mehr zur Verfügung stand, zum Ausgleich (14:14). Dass Krefeld jedoch schon vor der Pause wieder auf drei Tore wegzog, kann nicht nur mit den Ausfällen begründet werden. Es fehlte die Durchschlagskraft aus dem Rückraum und vor allem in der Deckung die gewohnte Stabilität gegen die Klasse des Gegners. So kamen die Keeper der Gäste nicht richtig ins Spiel, während auf der Gegenseite Sven Bartmann und später Lase Hasenforther heiß liefen. Vorne wirbelten vor allem Merten Krings (10 Tore) und Maik Schneider (9) mit ihren Stärken im Eins-gegen-eins und aus der Distanz.

„Einerseits ärgert es mich, dass die Häufigkeit und Härte von Kopftreffern so noch möglich ist und ein Schlüsselspieler ausgeschaltet wird“, war Lützelberger der Ärger ins Gesicht geschrieben. „Anderseits“, fügte er selbstkritisch an, „hätten wir trotzdem die Möglichkeiten gehabt, waren aber in vielen Situationen nicht reif genug, vielleicht zu naiv, zu geschockt von der Spielweise. Wir haben knapp, aber nicht ausreichend unseren Mann gestanden.“ Seine junge Mannschaft hatte nach der Pause die Chance, das Spiel zu drehen. Aus einem 19:20-Rückstand machten die Gelb-Blauen binnen Minuten mit ihrem Tempospiel eine 23:20-Führung und schienen nach 38 Minuten die Kontrolle übernommen zu haben. In der Folge ließen sie jedoch einige Großchancen aus und Krefeld zeigte sich mit seinen vielen Routiniers erfahren genug, sich vom Drei-Tore-Rückstand in der Schlussviertelstunde nicht nervös machen zu lassen. Der litauische Nationalspieler Valdas Novickis drehte mit einem Doppelschlag erneut die Partie. Später kam für die Gäste allerdings auch noch Pech dazu. Ein Siebenmeter landete nur am Aluminium und vor dessen Ausführung lief bei der Reinigung des Balles noch fast eine halbe Minute die Zeit weiter, ehe sie angehalten wurde. Viereinhalb Minuten vor Schluss besorgte Maik Schneider mit seinem Treffer zum 31:26 für eine Vorentscheidung, so werden viele Zuschauer gedacht haben. Die Moral der Konstanzer stimmte jedoch. Angetrieben von einem bemerkenswert großen und stimmgewaltigen Fanblock, der die Halle oft im Griff hatte, drehten sie noch einmal auf. David Knezevic und Fynn Beckmann feuerten sich nun innerhalb kürzester Zeit zum 29:31-Anschluss. Lukas Köder konnte mit dem letzten Treffer sechs Sekunden vor dem Ende jedoch nur noch den 32:33-Endstand markieren. Es fehlten am Ende einige Sekunden, um doch noch zum möglichen Punktgewinn zu kommen.

Viel Arbeit für medizinische Abteilung

„Hunderttausend Gedanken“ gingen danach dem um die Gesundheit seiner Spieler besorgten Konstanzer Head Coach durch den Kopf. „Wir sind unzufrieden, weil wir die Chance hatten, das Spiel zu unseren Gunsten zu drehen. Wir waren jedoch defensiv nicht stark genug.“ Dass Krefeld im Eins-gegen-eins stark ist, sei klar gewesen, aber „wir waren dort nicht stabil und konnten es zu oft nicht in der Helferkette lösen.“ Nun wartet jede Menge Arbeit auf die medizinische Abteilung der HSG Konstanz. Schon am Samstag ist die HSG erneut in Nordrhein-Westfalen, dieses Mal bei Schalksmühle/Halver, auswärts gefordert. „Wir werden jetzt erstmal zusehen, so viele Spieler wie möglich trainings- und spielbereit zu bekommen. Dann kämpfen wir weiter um die Chance, in die Finalspiele einzuziehen. Ich glaube, es ist jetzt sehr ausgeglichen und dass wir noch alle Möglichkeiten haben. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie schwer es ist, auswärts Punkte zu holen.“

Wochenblatt @: Oliver Fiedler

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