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Liebe Leserinnen und Leser,

200 Kinderkliniken gibt es in Deutschland, unter anderem in Singen, Konstanz, Villingen und Überlingen. Und diese Kinderkliniken schlagen nun Alarm. Die Chefärztinnen und Ärzte warnen vor einer dramatischen Überbelastung der Kinderkliniken. In einer aktuellen Pressemitteilung des Verbandes leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands heißt es: »Unzählige Anrufe, um endlich ein Krankenhausbett zu finden, dann kilometerlange Reisen mit einem an Luftnot erkrankten Säugling sind inzwischen in Deutschland kein Einzelfall mehr.«


Der Präsident dieses Verbandes Prof. Dr. Andreas Trotter, Ärztlicher Direktor am Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit am Hegau-Bodensee-Klinikum Singen, sagt, dass die Kliniken vor einer erheblichen Herausforderung in den kommenden Wintermonaten stehen. 78 Prozent der Kliniken berichten von Versorgungsengpässen, die zu einem Aufnahmestopp von Kindern geführt hätten. Doch woran erkranken die Kinder gerade? Nicht an Corona, sondern am sogenannten RS-Virus. Was ist das RS-Virus? Wir zitieren die Fachwelt: »Das Respiratorische Synzytial-Virus (kurz RSVirus oder RSV) ist bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren der häufigste Auslöser von akuten Infektionen der unteren Atemwege. In den ersten drei Lebensmonaten können diese besonders schwer verlaufen. Sehr gefährdet sind zum Beispiel Frühgeborene, Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen oder angeborenen Herzfehlern.


Grundsätzlich können Infektionen mit RS-Viren, die vor allem in den Wintermonaten und im Frühjahr gehäuft vorkommen, jeden treffen. Während ältere Kinder und Erwachsene in aller Regel nur leichte, erkältungsähnliche Symptome entwickeln, greifen RS-Virus-Infektionen in den ersten Lebensmonaten leicht von den oberen auf die unteren Atemwege über. In ärmeren Ländern sind RSV-Infektionen nach der Malaria die zweithäufigste Todesursache im ersten Lebensjahr.«

Warum die Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, kann man nur vermuten: In der Pressemitteilung heißt es: Die Krippen-, Kindergarten- und Schulschließungen (Coronapolitik, Anm. d. Verf.) hätten dazu geführt, dass die Immunsysteme in keinem gutem Zustand seien. Und dazu kommt der Pflegenotstand: Das Bundesgesundheitsministerium habe auch für Kinderkliniken Personaluntergrenzen eingeführt, das heißt, dass für eine gewisse Anzahl Patienten eine gewisse Zahl Pflegekräfte da sein muss. Umgekehrt: Sind die Pflegekräfte nicht da, können weniger Patienten aufgenommen werden. Laut dem Verband halten nur noch 25 Prozent der Kliniken die Verordnung ein.

Im Bereich des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz, sagte Prof. Trotter auf Anfrage unseres Chefredakteurs Oliver Fiedler, seien mehrere Kinder stationär (im August habe es bereits ungewöhnlicherweise erste RS-Fälle gegeben, im Oktober 34, im November geht er eher von noch mehr aus), und Trotter spricht auch von einem Mangel an Pflegekräften speziell in der Kinder- und Jugendmedizin. »Wir sind um jede Pflegekraft froh und würden auch einstellen, wenn es sie denn gäbe.« Theoretisch habe die Kinderklinik 30 Betten, nach der Pflegesatzverordnung könnte man nur 18 öffnen, 23 seien jetzt belegt (Stand Montag). Dazu kämen, so Trotter, 12 von maximal 17 Betten auf der neonatologischen und pädiatrischen Intensivstation.

»Was läuft da bei uns mittlerweile schief?«, fragen wir uns bange. Das Problem müsste bekannt sein, ist sogar vorhersehbar gewesen (wenn wir die Kinder isolieren, lernen ihre Immunsysteme nicht, logisch), und die Politik schafft einfach eine Regel, die aber nicht einzuhalten ist. Im Zweifelsfall sterben dafür Menschen, kleine Kinder, das würde man offensichtlich in Kauf nehmen. Und Ärzt*innen und Pfleger*innen müssen die Regel beugen, um ihrem Beruf gerecht zu werden, was wir in diesem Falle hoffen, dass es so passiert, so wie eben in Singen.

Wir können es fast nicht glauben. Was muss eigentlich passieren, dass wir verstehen, dass wir nicht Regeln schaffen können, weil wir die Welt gerne irgendwie hätten oder Probleme nicht sehen wollen, sondern die Regeln, wenn, dann echte Lösungen für die nun einmal vorhandenen Probleme beinhalten müssen, die zum Schluss eben funktionieren? Der Pflegenotstand muss behoben werden, würden wir einmal als Laien und aus der Ferne sagen.

Wirklich bestürzt,

Carmen Frese, Verlegerin
Anatol Hennig, Herausgeber
Oliver Fiedler, Chefredakteu

Wochenblatt @: Singener Wochenblatt


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